Samstag, 9. September 2017

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Dieser Blog-Eintrag gehört zu einer mit „Der Georgensteinblick“ begonnenen kleinen Serie. Die wurde fortgesetzt mit „Georgensteinblick II“. Und in „Allenthalben versunkene Städte“ gibt es auch ein paar Bemerkungen zu diesem engen geografischen Bereich.

Informationstafel: Verlauf der Römerstraße durch die Isarschlucht

Die jetzt verwendeten Fotos sind vom Mai. Ich wollte eigentlich erst noch zusätzliche Fotos vom Bereich unterhalb der ehemaligen Römerstraße machen, daraus wurde aber bislang nichts. Also vermittle ich so mal einen Eindruck, damit es mit der Sache weitergeht. Der 4. Brillenschaftag im Burghof Grünwald steht ja auch am 7. Oktober an und vielleicht will jemand die Gelegenheit nutzen und sich die Römerstraße genauer ansehen.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

„Römerstraßenaufstieg“ versus „unterhalb der ehemaligen Römerstraße“, da fehlt also noch was. Der obere Teil des Aufstiegs gilt sowohl nach der abfotografierten Informationstafel als auch dem Bayerischen Denkmal-Atlas als Teil der ehemaligen Römerstraße. Im unteren Teil entspricht die durchgezogene Linie über die Isar auf der Informationstafel aber nicht dem Bayerischen Denkmal-Atlas, der läßt hier eine Lücke. Zudem verwirrte der Bayerische Denkmal-Atlas durch eine „Brücke der römischen Kaiserzeit“ ein Stück flußabwärts (Denkmal D-1-7935-0005). Die Brücke war beim Start meiner kleinen Serie noch vorhanden, mittlerweile sehe ich sie nicht mehr im Bayerischen Denkmal-Atlas eingezeichnet. Aber bei Vici.org kann man sich die Lage der Brücke derzeit noch ansehen. Wenn die Brückenerkenntnis nicht mittlerweile revidiert wurde, wäre es also denkbar, daß die Römerstraße von der östlichen Seite nicht so wie auf der Informationstafel gezeigt direkt herüber über die Isar geführt hat. Die Straße könnte stattdessen zunächst unterhalb der dort befindlichen Römerschanze der Isar bis zu dieser Brücke gefolgt sein.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Geht man diesen oberen Teil der ehemaligen Römerstraße auf der westlichen Isarseite hinunter, dann kommt man schnell auf einen wirklich alt aussehenden Hohlweg. Aber dieser Hohlweg endet ein Stück oberhalb der Isar. Man trifft auf den Isar-nähesten öffentlichen Weg der westlich der Isar parallel zur Isar verläuft. Im Grunde sieht ab hier alles nicht mehr alt sondern überarbeitet aus. Weiter unten befindet sich der Isar-Kanal, für den sicher umfangreiche Erdarbeiten vorgenommen wurden. Den Abzweig vom Isar-Parallelwegs zur Römerstraße zeigen Bild 9 und Bild 10. Der Parallelweg führt dann zwar schnell weiter hinunter bis fast auf Isar-Höhe. Diese Strecke passt auch zur roten Linie auf der Tafel. Aber der Weg ist kein Hohlweg mehr. Also von diesem Augenschein her könnte ab dem überarbeiteten Bereich auch alles anders gewesen und die Römerstraße ein Biegung hin zu der mysteriösen Brücke gemacht haben. Allerdings ergäbe das schon eine recht große Schleife, die aber möglicherweise durch Gründe wie die Talverbreiterung und eine dadurch weniger reißende Isar in Kauf genommen wurde.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Daß der Bayerische Denkmal-Atlas im Kanalbereich keine genaueren Angaben macht, muß nicht bedeuten, daß hier keine archäologischen Erkenntnisse über den Verlauf der Römerstraße gewonnen wurden. Nach meiner Vorstellung ist der Bayerische Denkmal-Atlas nämlich kein Informationssystem in der Art, daß er uns mitteilen will, daß an einem bestimmten Ort irgendwann einmal ein bronzezeitlicher Grabhügel stand. Der Bayerische Denkmalatlas zeigt aktuell vermutete Grabhügel an, so flach die auch mittlerweile sein mögen. Wenn die Fläche aber archäologisch ausgeräumt und überbaut ist, dann verschwindet auch der Grabhügel im Bayerischen Denkmal-Atlas. Nach dieser Logik mag die fehlende Information im Kanalbereich einfach bedeuten, daß niemand mehr glaubt, daß hier noch archäologisch etwas zu holen ist.

Isar-Stauwehr bei Buchenhain/Baierbrunn

Der Einstieg von oben in den Hohlweg wird durch die Informationstafel in Bild 1 markiert. Man kann die Stelle via diesem Link auf einer Karte seiner Wahl ansehen. Im Bereich oberhalb des Isarkanals stößt der Weg wie gesagt auf den westlichen Parallelweg zur Isar. Dort sind zeitweise zahlreich Spaziergänger, Jogger, Wanderer und Radler unterwegs, deren ganz andere Ziele sich gut mit einem kurzen Blick in diesen uralten Hohlweg verbinden ließen.

Freitag, 1. September 2017

Göttinnen-Reihe in SWR2 Wissen

Die Erdställe und Schrazellöcher im letzten Blog-Eintrag scheinen ein ganz motiviertes Publikum zu haben, wenn man nach den angebotenen Interessententreffen geht. Anderseits ist das Thema etwas speziell. Göttinnen dürften vielleicht eher zu einem allgemein angestrebten Bildungskanon passen.

Da ist jüngst eine Göttinnen-Reihe in SWR2 Wissen zuende gegangen. Wer die sechs Stunden intus hat, kann gleich einen Wissenstest erfolgreich bestehen.

Wie lange die Audio-Dateien noch zugreifbar sind, brauchen wir offenbar nicht zu wissen. Den Göttinnen lag möglicherweise mehr an ihren Gläubigen als den Depubliziergöttern an den Gebührenzahlern. Unter dem Arte-Link in meinem letztjährigen Eintrag „Die großen griechischen Mythen bei Arte“ finde ich aktuell nur Ausschnitte. Aber man kann deren Titel zum Suchen verwenden und findet die Videos anderweitig im Netz.

Die Reihe „Mythen - Michael Köhlmeier erzählt Sagen des klassischen Altertums“ wird/wurde häufig im Fernsehen in BR- bzw. jetzt ARD-alpha wiederholt. Zumindest in Bayern sollte Michael Köhlmeier ziemlich bekannt sein. Seine Sendungen sind wie die oben verlinkten von SWR2 Wissen aktuell noch downloadbar. Also man kann sich die Sendungen aufs Tablet laden und ohne WLAN-Verbindung im Bett angucken und hoffen, daß man so nicht via bewußt offen gelassenen Sicherheitslücken zur Sicherheit beobachtet werden kann.

Um jetzt mit Göttinnen und Göttern im Hintergrund noch mal auf die eingangs erwähnten Erdställe und Schrazellöcher zurückzukommen: die bezogen sich ja auf eine „Höhlen und Erdställe“-Ausstellung im Schloss Tollet. Bei Höhlen und Erdställen gäbe es natürlich auch mögliche spirituelle Aspekte. Ein Gedanke wurde in dem verlinkten Gespräch hinsichtlich den über einen großen geografischen Bereich ähnlichen Erdställen geäußert: da müßte es eine Ideenwelt dazu gegeben haben, warum man das so macht, und vermutlich auch reisende Experten, die so etwas graben konnten. Allgemein zu „Höhlen und Erdställen“ habe ich jetzt aber im Gespräch nicht so mitbekommen, wieweit in der Ausstellung die spirituelle Dimension ausgelotet wird.

Wie ich mal am Beispiel Erdställe angemerkt habe, wäre die praktische Erdstall- und Höhlenforschung für mich nichts. So einen Draht zu Höhlengeistern wie Hexpatchmine bekomme ich also sicher nicht. Insofern würde ich zwar in die Ausstellung reingehen und hier berichten, wenn ich gerade passend vor Schloss Tollet stände. Aber wenn wir jemand explizit zum Nachsehen, was da in der Ausstellung hinsichtlich den Göttinnen zu holen ist, hinbeamen könnten, dann wäre ich eher an Hexpatchmines Meinung als an meiner interessiert.

Samstag, 26. August 2017

„Höhlen und Erdställe“-Ausstellung in Schloss Tollet

Gestern Abend bin ich eine Stunde bei einer Sendung des Freien Radios Freistadt über die Ausstellung „Höhlen und Erdställe-die Erforschung des Unterirdischen“ hängen geblieben. Nach dem Text zur Sendung wird die Ausstellung vom Kulturverein „Kulturama“ veranstaltet. „Der Obmann von Kulturama, Konsulent Ernst Martinek, ist zu Gast bei Otto Ruhsam und erzählt über die Ausstellung aber auch über seinen Bezug zu Freistadt. Die Musik zur Sendung stammt von der Gruppe Bilderbuch.“

Die Ausstellung soll noch bis zum 29. Oktober 2017 zu sehen sein. „Schloss Tollet“ hat mir bis gestern nichts gesagt. Hier die Kulturama-Website mit Angaben zur Anfahrt. Die Ausstellung wäre für München nicht aus der Welt. Ganz interessant mag aber auch die Telefonnummer auf dem Ausstellungsplakat und die Aussage im aufgezeichneten Gespräch sein, daß man hinsichtlich Gruppen von Besuchwilligen sehr flexibel wäre. Die sollen halt anrufen. Also vielleicht tourt jemand mit einer Busladung voll Leuten passend durch die Gegend und braucht noch einen Programmpunkt.

Ich hatte schon früh mal was über Erställe in meinem Blog („Erdstall-Ausstellung in Glentleiten“). Aus dem damaligen Text geht hervor, daß Münchner relativ gut an einen Erdstall hin kämen (via S-Bahn und dann ein paar Minuten hinspazieren). Ob sie da hinein kämen, ist eine andere Frage. Die Links meines jüngsten Eintrags zum Thema Erdställe und Schratzellöcher sollten für diesen Zweck ergiebiger sein. Ich sehe gerade auf www.erdstallforschung.de/Aktuelles.html, daß aufgrund der großen Nachfrage Treffen in verschiedenen Regionen Bayerns angeboten werden. Treffen Ost - Oberbayern, Treffen West - Oberbayern, Treffen Niederbayern - also man möge selbst weitersuchen. Meine alten Links funktionieren da anscheinend noch.

Samstag, 19. August 2017

4. Brillenschaftag am 7.10.2017 im Burghof Grünwald

Am 7. Oktober 2017 soll wieder ein Brillenschaftag in der Burg Grünwald mit „mit Handwerks- und Schmankerlständen“ stattfinden. Das detailliertere Programm bzw. eventuelle Änderungen auf dem Weg hin zum Termin entnehme man bitte der Website der Archäologischen Staatssammlung.

Burg Grünwald

Das in der Grünwalder Burg untergebrachte Burgmuseum Grünwald ist ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung. Vor kurzem bin ich auf dieses Video von münchen.tv gestoßen: „Am Jagdschloss Grünwald mit Prof. Rupert Gebhard“ Prof. Rupert Gebhard ist der Leiter der Archäologischen Staatssammlung. Marion Schieder interviewt ihn knapp 12 Minuten lang bei einem kleinen Spaziergang in die Burg. Das Video wäre eine passende Vorbereitung für einen Besuch der Burg.

Burg Grünwald

Mittwoch, 26. Juli 2017

More Doors (für Rimmelsbach)

Marcellinas „66 Hours in Berlin“ erinnerten mich an den Bericht meines Freundes Ralf von seiner Berlin-Tour. Mit der musikalischen Abweichung, daß er bis dahin das Ramones-Museum noch nicht kannte, aber dafür interessante Erlebnisse bei der Equipment-Beschaffung hatte (sein Berliner Lieferant ist auch aus unserer Gegend). Jedenfalls mußte ich gleich nachsehen, ob es ein neues Werk von Ralf gibt. Und fand „More Doors (für Rimmelsbach)“.

More Doors (für Rimmelsbach) von Ralf Schneider auf Vimeo.

„Rimmelsbach“ bezieht sich auf „Rimmelsbacher Hof“. Das ist eine Gruppe von Häusern auf einer Rodungsinsel im Nordschwarzwald nördlich des Mahlbergs. Um es noch etwas komplizierter zu machen, befindet sich in einem der Häuser, Hausnummer Rimmelsbacher Hof 3, eine Gaststätte, die selbst wieder „Rimmelsbacher Hof“ heißt. Früher war das mit dem Namen einfacher, die Ansiedlung soll 1115 als „Rümlinsbach vicus“ ersterwähnt worden sein.

Die Häusergruppe ist dem Rheintal sehr nahe. Auf dem schnellsten Weg geht aber nicht abwärts hinunter, sondern erst einmal hoch auf einen bewaldeten Geländesattel. Ich habe die Geokoordinaten aus dem Bereich dieses Geländesattels genommen. Der Rimmelsbacher Hof entwässert in Gegenrichtung in das Moosalbtal. Die Moosalb fließt wiederum in die Alb und die Alb fließt erst in den Rhein. Foto 2 mit der Sitzbank im Vordergrund habe ich bei dem durch die Geokoordinaten angegebenen Ort in Richtung Moosalbtal aufgenommen. Für interessierte Wanderer hier noch das Stichwort „Carl Schöpf Hütte“: die befindet sich ein paar Schritte links vom Foto-2-Aufnahmeort.

Rimmelsbacher Hof

Von dieser Stelle auf dem Geländesattel kommt man sehr schnell auf einen Weg, der hinunter in das Rheintal führt. Ich bin da noch nie hinunter, aber zeitweise häufig allein oder mit einem Mitradler hier in der Richtung des Geländesattels durchgekommen. Um dann relativ angenehm, im Wald und am Waldrand entlang, mit erträglichen Steigungen, später zwischen Völkersbach und Freiolsheim durch bis nach Moosbronn zu radeln und dann durch das Moosalbtal wieder zurück zu rollen.

Obwohl mir somit klar war, wie nah man da am Rheintal ist, war ich dann doch von der Vermutung irritiert, daß dieses Gebiet zwischen Moosalbtal und Rheintal über den Rimmelsbacher Hof besiedelt wurde. Denn zum einen liegen dessen Häuser heute abgelegen von der Hauptverkehrsstrecke, zum anderen haben die umliegenden Ansiedlungen wesentlich mehr Einwohner.

Blick vom Waldrand oberhalb des Rimmelsbacher Hofs Richtung Moosalbtal

Ein Blick ins Netz macht die Sache plausibler. Man findet die genannte Ersterwähnung von 1115, die umliegenden Siedlungen sind später erwähnt worden. Es ist auch so, daß direkt unten im Rheintal die Römerstraße verlief, mithin eine uralte Hauptverkehrsstrecke. Vom Gebiet des gleich unten liegenden Sulzbach sind römerzeitliche Funde bekannt. Über die großflächige römerzeitliche Waldnutzung will ich jetzt nicht spekulieren, aber nochmal auf die Entwässerung via Moosalb und Alb und das am Albausgang aus dem Schwarzwald liegende Ettlingen hinweisen. In dem verlinkten Text gibt es ein paar Bemerkungen zur Wassernutzung.

Versucht man statt bis zu den alten Römern nur hundert Jahren zurückzublicken, dann gab es zu dieser Zeit hier oben auf den Rodungsinseln eine Vielzahl von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben mit Hofgrößenordnungen zwischen keinen bis wenigen Kühen. Die Höfe ohne Kuh dann mit Ziege. Gepflügt, die Ernte eingebacht und das Feuerholz im Wald geholt hat man allerdings mit Kühen. Dabei darf man das Mostobst nicht zu vergessen, hier ist eine Mostgegend. Übriggebliebener Most konnte zu Schnaps gebrannt werden.

Blick vom Waldrand oberhalb des Rimmelsbacher Hofs Richtung Mahlberg

Das mit der Landwirtschaft auf Ziegenbasis konnte also nur sehr eingeschränkt funktionieren, wie auch viele Bauerfamilien mit einer oder wenigen Kühen sehr häufig auf weitere Erwerbsmöglichkeiten angewiesen waren. In Ettlingen gab es schon Fabriken, und eine meiner Großmütter ist vor der Ehe zur Arbeit in die Ettlinger Spinnerei marschiert. Man versteht in so einem Zusammenhang, welche Bedeutung die Entfernungen zu den Märkten oder zum Arbeitsplatz hatten. Carsten Wasow hat diese Problematik in seiner Beschreibung von den Ursprüngen der „Kraftpostlinie (Karlsruhe -) Ettlingen - Völkersbach (- Bernbach)“ sehr gut rübergebracht.

Zurück zu den kleinen Landwirtschaftsbetrieben: mein Vater hat mir von Anspanngemeinschaften erzählt, bei denen sich jeweils zwei Familien mit nur einer Kuh zusammengetan haben - und sich dann manchmal gestritten haben, wessen vom Regen bedrohtes Heu zuerst eingefahren wird. Ein interessantes Geschäftsmodell soll denjenigen ohne Kuh von „Viehjuden“ angeboten worden sein: eine dürre Kuh wurde leihweise in den Stall gestellt und mußte im Gegenzug für ihre Dienste auf ein besseres Verkaufsgewicht gefüttert werden. Nach Websuche war Viehjude so ein etablierter Begriff, daß teilweise auch nichtjüdische Viehändler so bezeichnet wurden. Näheres dazu im pdf „Weg und Schicksal der Viehjuden von Esslingen, Cannstatt und Winnenden“

Hinweisschilder oberhalb des Rimmelsbacher Hofs

Zurück auch zum Rimmelsbacher Hof: ich bin mit meinem bayerischen Schatzi das Tal entlang bis hoch zu dieser Sattelfläche spazieren gegangen. Ich kenne mich da natürlich voll aus und ignoriere Hinweisschilder. Schatzi fotografiert die häufig und entdeckt eine „Scheuerklamm“. Ich bin wie gesagt da noch nie runter, ich hatte den Namen noch nie gehört. Ich habe dann meinen Vater nach der Scheuerklamm gefragt. Der meinte, da wären vor dem Krieg viele aus den Dörfern hinunter und dann weiter nach Malsch, weil die jüdischen Händler in Malsch manchmal günstiger als die Ettlinger Händler waren.

Sucht man im Netz, findet man auf den Websites der Alemannia Judaica und der Heimatfreunde Malsch umfangreiche Informationen über das frühere jüdische Leben in Malsch. Die weiterführenden Schulen sind in Ettlingen und ich bin dort mit Schulkameraden aus Malsch und Ettlingen in einer Klasse gewesen und wir haben trotz jeder Menge Drittes Reich im Unterricht nie etwas über die Juden in Malsch gehört.

Abschließend noch die Buchempfehlung „Bischweiler oder Der große Lebold. Jüdische Komödie“ von Claude Vigée in 2 Bänden. Bischweiler/Bischwiller liegt geschätzt etwa 30 km Luftlinie von Malsch entfernt im Elsass. Ich habe den ersten Band zu zwei Dritteln gelesen. Ich wollte ursprünglich erst etwas zu diesem Durchgang beim Rimmelsbacher Hof schreiben, wenn ich beide Bände gelesen habe. Aber das wird noch dauern. Das liegt an mir, das Buch ist eine Perle. Ich habe das Schreiben jetzt wegen den „More Doors“ von Ralf vorgezogen. Das ist sowohl vom Textumfang als auch von dem mittlerweile festgestellten Umstand her vernünftiger, daß in dem Buch bislang die Juden auf der anderen Rheinseite keine Rolle spielen. Das Leben der elsässischen und der badischen Juden scheint sich durch die Rheingrenze getrennt entwickelt zu haben.

Montag, 26. Juni 2017

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Letztes Jahr im Mai wurde ich mit einem Sehnenschaden bei meinen Eltern geparkt und das allerbeste Schatzi von allen fuhr allein mit der Bahn von Karlsruhe zum Bodensee weiter. Dort hat sie mit einer Freundin das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen besucht und die beigefügten Fotos gemacht. In die Pfahlbauten geht es gruppenweise mit einem Führer. Der sei zwar nett gewesen und hätte auch mal auf eine gute Fotoperspektive aus einem Pfahlbau heraus hingewiesen, wollte aber für die Veröffentlichung im Blog keine Innenaufnahmen erlauben.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Ich war vor etwas über 25 Jahren im Pfahlbaumuseum, das war auch mit Führung. Ich glaube, wir haben damals auf den Stegen auf die Führung gewartet. Mittlerweile wartet man in einem Raum mit Ausstellungsstücken, bevor es mit einer zehnminütige medialen Einführung inklusive einem „virtuellen Tauchgang mit 360 Grad Panorama“ losgeht. Danach werden die Pfahlbauten besichtigt, manche Häuser müssen dabei aufgeschlossen werden, die anderen Bereiche können nach Abschluß der Führung alleine noch einmal angesehen werden.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Das Pfahlbaumuseum hat eine glänzende Stellung unter den Museen. Die Wikipedia gibt eine Besucherzahl von knapp 300000 pro Jahr an. Für das eine knappe Autostunde von Unteruhldingen entfernte Freilichtmuseum Heuneburg habe ich dagegen die Zahl von nur 25000 Besuchern für 2014 gefunden. Dieses viel größere Besucherinteresse läßt sich sicher zu einem Teil auf die günstigere Lage Unteruhldingens in einem Urlaubsgebiet ersten Ranges zurückführen. Zwischen Ausflugszielen wie der Basilika Birnau und der Meersburg und gegenüber Zielen wie der Insel Mainau und Konstanz.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Aber um als Museum solche Zahlen zu bewegen, muß man dennoch irgendwie in die Köpfe dieser vielen Menschen kommen. Heute ist Unteruhldingen unter den vielen Museumsalternativen einfach da, ohne auf Schlagzeilen angewiesen zu sein. Speziell wenn es um Pfahlbauten geht, fällt einem vermutlich am ehesten Unteruhldingen ein. Eine Erklärung dafür mag der frühe Eröffnungszeitpunkt 1922 bieten, der früh von dem damaligen „neuen Medium“ Film begleitet wurde. Es sollen schon in 1920er Jahren Spielfilme in Unteruhldingen entstanden sein. Ich würde zusätzlich auf Filmberichte in den Wochenschauen tippen, mit denen die Generation meiner Eltern in den folgenden Jahrzehnten flächendeckend erfasst wurde. Da gab es sicher neben viel Licht auch viel Schatten, siehe die Bemerkungen zum Nationalsozialismus in meinen letzten Abschnitten. Jedenfalls, bis ich dann geboren wurde und in die Schule kam, kannten „alle“ das Pfahlbaumuseum, das Museum war bei der Elterngeneration präsent.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Ein kleiner Schlenker zur eingangs erwähnten Bahn, mittels der der Bodensee in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts den Einwohnern der Anliegerstaaten deutlich näher rückte. Ab da ging für viele ein Tagesausflug an den Bodensee. Ich bin mal anlässlich des Wandertags mit meiner Schulklasse von Karlsruhe via der äußerst interessanten Schwarzwaldbahn-Strecke nach St. Georgen gefahren, bis zum Bodensee fehlt da nicht mehr viel. Mit diesem Zeitvorteil - Stunden gegen Tagesreisen - waren die neuen Bahnverbindungen natürlich eine „disruptive Technologie“. Die österreichische Bahnverbindung nach Bregenz soll durch billiger produzierbares Getreide aus Ungarn den bis dahin prosperierenden Getreideexport aus Oberschwaben und dem Allgäu in die Schweiz beendet haben.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Jedenfalls ist das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen irgendwann in eine nahezu alternativlose Stellung hinsichtlich der „grauen Vorzeit“ gerutscht. Der Bodensee mit den Pfahlbauten war vielen präsent, man konnte Pfahlbauten ja auch bestens in Erinnerung behalten. Das dürfte dann auch oft so verkürzt hängen geblieben sein, daß es einmal in der grauen Vorzeit EINE Pfahlbaukultur gab und Pfahlbaudörfer damals allgemein die bevorzugte Siedlungsform waren. Richtig ist hingegen nach heutigem Stand, daß Pfahlbauten eine Reaktion auf regionale Besonderheiten waren. Als Begründung für den Pfahlbau wird derzeit auf „Wasserstandsschwankungen in Abhängigkeit vom jährlichen Wasserzufluss“ verwiesen. Und es gab nicht eine Pfahlbaukultur, sondern unterschiedliche Pfahlbaukulturen zu unterschiedlichen Zeiten.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Nach den häufigsten Fragen der Besucher des Pfahlbaumuseums sind Pfahlbauten eine Wohnform der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Man unterscheidet bei den Pfahlbauern über einen langen Zeitraum sowohl zeitgleiche als auch nacheinander lebende Kulturgruppen. Deren aufgefundene Siedlungen streuen über ein überraschend großes Gebiet um die Alpen herum, wie man der Karte in der Broschüre „UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen in Baden-Württemberg und Bayern“ entnehmen kann. Nach dieser Broschüre sind mehr als 30 archäologische Kulturgruppen in den Pfahlbauten nachweisbar.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Die verschiedenen Kulturgruppen lieferten die Vorlagen für unterschiedliche Pfahlbaurekonstruktionen des Unteruhldinger Museums. In der Führung wird sowohl auf diese große Zeitspanne zwischen den Kulturgruppen als auch auf die verschiedenen Aspekte ihres Pfahlbauerlebens eingegangen. Die Fischfang ist klar, aber man geht auch von einer landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen am Bodensee und von einem regen Handel aus.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Obwohl Pfahlbaukulturen ein regionales Phänomen waren, sind deren Fundstätten dennoch enorm wichtig um Erkenntnisse über die damalige Zeit zu gewinnen, weil die Hinterlassenschaften der Pfahlbaukulturen verglichen mit anderen zeitgleichen Kulturen wesentlich besser und umfangreicher erhalten sind. Ich zitiere mal aus meinem Bericht von der Jungsteinzeitausstellung in Karlsruhe. Bei der stand mit der Michelsberger Kultur keine Pfahlbauerkultur im Vordergrund, man hat aber dennoch einen Ausstellungsteil mit Hinterlassenschaften der Pfahlbauer bestückt: „Wie schon oben gesagt, haben die Feuchtbodensiedlungen den Vorteil, daß mehr erhalten bleibt. Der folgende Ausstellungsteil wäre also verallgemeinernd zu sehen - so oder so ähnlich kann es auch bei den anderen Jungsteinzeitlern ausgesehen haben: ein Nachbau einer Hauswand auf Basis von am Bodensee gefundenen Lehmresten mit weißer Bemalung und Lehmbrüsten aus der älteren Pfyner Kultur zeigt, daß die Leute nicht mit kahlen Wänden gelebt haben. Mit den Funden kann man auf Bastkleidung und Flechtschuhe und Schmuck aus Bären- Eber- und Hundezähnen rückschließen. Es gibt Sichelklingen, Schaber, Messer, einen Furchenstock, Beilholme, Hacken, Steinbeile und Beispiele für die vielseitige Verwendbarkeit von Hirschgeweih und Birkenrinde zu sehen.“

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Bastkleidung, Sichelklingen und Schmuck aus Bären- Eber- und Hundezähnen ist jetzt nicht viel, aber man kann sich ein wenig eine Vorstellung von dem damaligen Leben machen. In diesem Fall durch den Blick auf zeitgleiche jungsteinzeitliche Pfahlbaukulturgruppen. Darüber hinaus hat man über zeitlich aufeinander folgenden Pfahlbauern die Möglichkeit Entwicklungen nachzuvollziehen. Wann wurde eine bestimmte Technologie zuerst eingesetzt, wann wurde aus einem bestimmten tierischen Material immer weniger Werkzeug angefertigt? In diesen Zusammenhängen muß man die enorme Schutzwürdigkeit der Fundstätten sehen. Und natürlich auch den Gehalt dessen, was man von einem Besuch des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen mitnehmen kann.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

1922 eröffnet, gab es eine lange Zeit im Nationalsozialismus. Überraschen wird vielleicht, wie sich manches bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hineingezogen hat. In einem Vortrag habe ich es mal vor ein einigen Jahren so gehört, daß sich viele Personen innerhalb der Archäologie ganz gut mit dem Nationalsozialismus arrangiert hätten. Nach dem Krieg haben diese Personen dann weiter Karriere gemacht, aber Hans Reinerth, der Leiter des Pfahlbaumuseums nach dem Krieg, sei verpönt gewesen. Und mit ihm erst auch mal die Experimentelle Archäologie. Liest man den verlinkten Wikipedia-Eintrag zu Hans Reinerth, wird das noch bizarrer: „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Reinerth Direktor des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, das lange Zeit ein sehr konservatives Bild der Vorgeschichte vermittelte. Er war einer der wenigen nationalsozialistisch belasteten Archäologen, die in der Nachkriegszeit ihre Karriere nicht fortsetzen konnten. 1949 wurde er von Kollegen, unter ihnen mehrere ehemalige SS-Mitglieder wie der ehemalige SS-Obersturmbannführer Herbert Jankuhn, später Professor für Ur- und Frühgeschichte in Göttingen, bei einer Zusammenkunft in Regensburg wegen „unsachlicher und tendenziöser Wissenschaft der Prähistorie“ in einer Resolution aus der Wissenschaftsgemeinde der Ur- und Frühgeschichtler ausgeschlossen“. Zusammen mit der Wikipedia-Vermutung über den NSDAP-Ausschluss von Reinerth im Februar 1945 („Der wirkliche Grund wird der Kompetenzstreit zwischen dem Amt Rosenberg und der SS-Organisation Ahnenerbe gewesen sein, da Reinerth zum Amt Rosenberg gehörte.“) drängt sich der Gedanke auf, daß das Amt Rosenberg und die SS-Organisation Ahnenerbe ihre Auseinandersetzung auch noch nach dem Krieg fortgesetzt hatten.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Wer sich vertiefen möchte, mag auf der Website des Museums weiter herumstöbern. Hier gibt es einige interessante und frei zugreifbaren Texte des Museumdirektors Prof. Dr. Gunter Schöbel. Ich picke jetzt mal die „Geschichte aus dem Papierkorb - zu einem ungewöhnlichen Bilderfund“ mit interessanten Details über die Untersuchung des Großgrabhügel Hohmichele heraus. Über die Zusammenhänge von Hans Reinerth und der Experimentellen Archäologie mit dem „Germanengehöft“, einem Vorläufer des heutigen Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen, mag das Buch „Zurück zu unserem Cheruskerhof!“ von Sylvia Crumbach Auskunft geben. Hier der Link zu einer Besprechung des Buchs.

Sonntag, 4. Juni 2017

Pernicka-Vortragsvideo, Bibliographie zur Archäologie von München

Weil ich mich letzte Woche bei den „versunkenen Städten“ auf Bernstorf bezog, wollte ich noch vor dem Einstellen des Textes nachsehen, ob es in dem in „Bernstorf in der nächsten Runde“ empfohlenen Sucherforum-Thread „Bernstorf-Schatz in Bayern soll Fälschung sein“ etwas neues gibt.

Dadurch habe ich mitbekommen, daß das Kunsthistorische Museum Wien einen Vortrag von Prof. Dr. Ernst Pernicka bei Youtube eingestellt hat („Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles - kleine Kulturgeschichte des Goldes“). Das Sucherforum kann ich weiterhin empfehlen, um in Sachen Bernstorf auf dem laufenden zu bleiben. Die Ausstellung „Das erste Gold“, in deren Rahmen der Vortrag Prof. Pernickas stattfand, ist noch bis 25. Juni 2017 im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen.

Der Vortrag ist wie üblich bei Ernst Pernicka vom Start weg sehr interessant und sehenswert. Nach der 48sten Minute geht es bis zum Vortragsende um das Bernstorfer Gold. Da der Vortrag am 8. Mai in Wien gehalten wurde, hat man hier eine aktuelle längere Stellungnahme Prof. Pernickas nach Erscheinen der von den Professoren Rupert Gebhard und Rüdiger Krause herausgegebenen Publikation „Bernstorf. Archäologisch-naturwissenschaftliche Analysen der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg, Oberbayern“. Die Publikation wurde Mitte Januar 2017 präsentiert.

Prof. Pernicka schließt seinen Vortrag mit der Feststellung, daß bei Authentizitätsprüfungen immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen sei und oft führen sie nicht zu einem eindeutigen Erfolg. Aber im Fall von Bernstorf, denkt er, ist es eindeutig. Dem können Prof. Gebhard und Prof. Krause wohl zustimmen, aber mit einem genau entgegengesetzten Ergebnis.

Die umstrittenen Funde habe ich wie andere Besucher auch in einer Vitrine in der Archäologischen Staatssammlung gesehen. Auf deren Website sehe ich aber weiterhin wie zu Zeiten des „Kontrovers-Nachklapps“ „nur den Hinweis auf die gedruckte Publikation mit Preis und Mailadresse, via der man die Publikation bestellen kann. Kein Dossier Bernstorf, nicht mal einen Link auf den bei Academia.edu zugreifbaren Teil der Publikation.“

Für Interessenten an der Archäologie im Raum München lohnt sich dennoch ein Blick auf die Website. Unterhalb der „Startseite Archäologie in München“ ist bei den „Weiteren Informationen und Links“ eine interessante „Bibliographie zur Archäologie von München“ zu finden, „zusammengestellt von Arno Rettner Stand: Oktober 2016“.

Samstag, 27. Mai 2017

Allenthalben versunkene Städte

Im letzten Abschnitt von „Georgensteinblick II“ hatte ich empfohlen, einen Blick in das von Helmut Karger online gestellte Buch „Illustrirte Geschichte der Stadt München“ von Ferdinand Kronegg von 1903 zu werfen. In diesem Buch ist wie im Zusammenhang mit Bernstorf von einer versunkenen Stadt die Rede. Nur in diesem Fall von einer versunkenen Stadt beim südlich von Pullach gelegenen Baierbrunn. Von Ferdinand Kronegg 1903 noch mit „ay“ statt wie heute mit „ai“ geschrieben.

Georgenstein am Vatertag 2017

Findet man vor Ort jetzt tatsächlich etwas aus alten Zeiten - im Falle Bernstorf ist ja zumindest die bronzezeitliche Wallanlage unbestritten - dann wird so eine „Sage von einer versunkenen Stadt“ wohl gern als Ausgangspunkt der Erkundungen aufgegriffen, da sich damit eine schöne Geschichte bauen lässt. Aber selbst wenn vorzeitliche Funde vorliegen, kommen schnell Zweifel, ob eine mündliche Überlieferung tatsächlich mehrere tausend Jahre vorhält. Man könnte jetzt - Stichwort „Heidenmauer“ - daran denken, daß altertümliche Bauwerke oder Funde eine Sage immer weiter am Leben halten. Aber dann würde man erwarten, daß das Gebiet sehr genau angegeben werden kann, in dem sich die Heidenmauer oder die versunkene Stadt befindet.

Im Falle Baierbrunn zeigt der Bayerische Denkmal-Atlas südwestlich eine „Siedlung vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung“ an, (Denkmalnummer D-1-7934-0305), ein Stück weiter liegen im Wald einige „Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung.“ D.h. für eine verschwundene Siedlung hat man tatsächlich Anhaltspunkte. Ich könnte mir auch vorstellen, daß der Römerstraßenknick im Norden von Buchenhain im Zusammenhang mit einer älteren Keltensiedlung stand, die sich bei dem ausgedehnten Höllriegelskreuther bzw. Pullacher Gräberfeld Denkmalnummer D-1-7935-0092 „Grabhügel mit Bestattungen der Hallstattzeit“ befand. Das wäre ein weiterer Stadt-Kandidat. Aber an irgendeine Verbindung solcher Siedlungen mit der Sage würde ich trotzdem erst glauben, wenn Kronegg etwas in der Art anführen könnte, daß die Baierbrunner beispielsweise für ihren Kirchbau immer behauene Steine aus dem bestimmten Gebiet geholt haben. Das macht er aber nicht. Stattdessen findet er die versunkene Stadt bei Baierbrunn ganz allgemein wegen den vielen Funden in der Gegend plausibel und geht dann fließend zu Funden bei Grünwald über. Also gleich von der anderen Isarseite, was den Gehalt der Sage für Baierbrunn stark relativiert.

Georgenstein am Vatertag 2017

Vielleicht sind solche nicht genau verorteten „versunkenen Städte“ aber auch aus genau so einer diffusen Gemengelage heraus entstanden, mit Funden hier und da? Am Vorabend früher Formen der Archäologie. Bevor man tatsächlich raus in das Gelände gegangen ist, nachgegraben und aufgeschrieben hat, was man wo gefunden hat? Ich würde so etwas für denkbar halten. Ein paar Jahrhunderte früher hatte man noch ganz andere Einfälle. Ich erinnere mich da an die Tafel in Ettlingen, nach der Ettlingen von dem Trojaner Phorzys 1111 vor Christus gegründet und von den Römern Neptingen genannt wurde. Hier und da eine versunkene Stadt ist im Vergleich dazu doch moderat? Und vermutlich war in den gebildeten Kreisen des 19. Jahrhunderts ein in das Badische gelangter Trojaner Phorzys schon ziemlich unglaubwürdig. Eine im 19. Jahrhundert schriftlich festgehaltene Sage von einer „versunkenen Stadt“ wird hingegen noch heute gerne von den Medien aufgegriffen.

Man bräuchte mehr Beispiele solcher „versunkenen Städte“, um zumindest die Aussage einer Häufung belegen zu können. Moritz Jacob hat sich die Mühe gemacht, weitere zu suchen und sie in „Deutsche Sagen des 19. Jahrhunderts über versunkene Städte“ zusammengefasst. Ich zitiere aus seinem Abstract: „In der Literatur des 19ten Jahrhunderts gibt es diverse Erwähnungen und selten auch Ausformulierungen von Sagen über versunkene Städte im deutschen Sprachraum. Um diese Art der Legende besser fassen zu können, sind hier einige – jedoch sicher nicht alle – gesammelt. Dadurch soll die textkritische Bewertung der Sage von der versunkenen Stadt bei Bernstorf erleichtert werden.“

Sonntag, 23. April 2017

„Amerika nach dem Eis“ im Karlsruher Naturkundemuseum

In den 1980er Jahren war ich öfters im Karlsruher Naturkundemuseum. Bei damals kostenlosem Eintritt bot sich das verkehrsgünstig in der Karlsruher Innenstadt gelegene Museum als Pausenfüller an. Meist habe ich dann nur mehr oder weniger kurz die Schlangen und Fische im Vivarium besucht. Bei unserem aktuellen Besuch konnte ich mich an die Dioramen im Erdgeschoß noch erinnern. Einiges Ausgestopfte im Obergeschoss müßte auch schon so alt sein. Aber selbst das große, sehr sichtbar in die Jahre gekommene Walross kommt mir nicht mehr bekannt vor.

Das alte Vivarium scheint restlos verschwunden zu sein. Der Raum, in dem man früher in einem Viereck aus einfachen Terrarien und Aquarien ging, ist irgendwie in mehreren Räumen mit teilweise mondäner Ausstattung aufgegangen. Blieb man früher etwas länger in der Ecke mit den Piranhas hängen, gibt es nun ein riesengroßes Becken mit Korallenriff und Hai. Bei den Präparaten scheint wie gesagt vieles noch aus alten Zeiten zu sein, steht aber neben Knallern jüngeren Datums. Also statt zu den Dioramen im Erdgeschoß kann man auch ein paar Schritte daneben die Treppe hoch zum Hatzegopteryx thambema - „weltweit das größte Flugsauriermodell, das in einem Naturkundemuseum gezeigt wird“.

Mittels diesen Sauriern hat sich das Karlsruher Naturkundemuseum vor ein paar Jahren sogar bei mir in München in Erinnerung gerufen. Was, nichts in München mitgekriegt? Hier der Beweis: der Bayerische Rundfunk interviewt Prof. Dr. Eberhard "Dino" Frey, „Paläozoologe Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe“. Wer sich mal für Saurier interessiert hat, möge sich das Interview gönnen. Und das Flugsauriermodell ist vor Ort noch viel schöner als auf den Fotos!

Die Saurier passen zwar schon zu meinem Blog-Zeitbereich graue Vorzeit bis Spätantike, aber mit der seit Anfang April laufenden Sonderausstellung „Amerika nach dem Eis - Mensch und Megafauna in der Neuen Welt“ wird auch etwas zum Thema Archäologie geboten. Man möge dazu den verlinkten Text des Museums über die Sonderausstellung lesen. Von Baden TV gibt es einen kurzen Blick in die Sonderausstellung und kurze ergänzende Interviews.

Ich fand die Sonderausstellung erfrischend und bereichernd. Also nicht neue Wissensverästellungen wie bei der derzeitigen Karlsruher Alternative „Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil“, für die nach meinem Gefühl der Stamm unterproportioniert ist, an den ich das hinhängen kann. Sondern einfach voraussetzungslos in die Ausstellung hinein gehen und etwas fürs Leben mit heraus nehmen. Überall muß man auf den Kontinenten ab einer gewissen Zeit die Megafauna mit dazuschalten. Nach der Karlsruher Sonderausstellung wird man das im Gefühl haben. Allerdings: als Ausstellungsthema ist dieser Spagat zwischen Mensch und Megafauna sicher sehr interessant und berechtigt, hinsichtlich der Beantwortung der im Begleittext aufgeworfenen Fragen sollte man aber angesichts der vielen vielen ungelösten Detailfragen nicht zuviel erwarten.

Wie in dem Ramses-Text bemerkt, haben wir die Entscheidung für das Naturkundemuseum nicht bereut. Ein Naturkundemuseum ist häufig das erste Museum, das man mit Kindern besucht. Insofern war der Altersdurchschnitt der Besucher relativ niedrig. Die Atmosphäre war recht locker. Ich habe im Ramses-Text den Jungen erwähnt, der sich zwischen uns und einen Leguan quetschte, um ein Foto zu machen. Was ich auch schön gefunden habe: einen Raum mit Tischen, umrahmt von größeren Tierpräparaten an der Wand, und an den Tischen Familien, die mitgebrachtes Essen verspeisten. In dem Museum ist Leben. Das alles ist trotz schon vorhandenem Vortragsprogramm, Filmvorführungen etc. noch in einem sehr positiven Sinne ausbaufähig.

Freitag, 21. April 2017

Ramses in Karlsruhe

Letztes Jahr hatte ich die anstehende Ramses-Ausstellung in Karlsruhe in „Ein Göbekli-Tepe-Blog“ erwähnt. Als es auf Weihnachten hin akut wurde, habe ich zwar an die Ausstellung gedacht, hatte aber zu Weihnachten in der alten Heimat anderes im Kopf.

Das hat sich so fortgesetzt. Aber nun knapp vor Ostern habe ich mitbekommen, dass es eine Bloggerreise zur Ramses-Ausstellung gab und daraufhin ein wenig herumgegoogelt. Es gibt reichlich Websites, die Informationen versprechen. Ich habe was vom SWR („Neue Ausstellung im Badischen Landesmuseum“), vom DLF („Ramses-Ausstellung in Karlsruhe“) und den Bericht von dem Blogger-Event in „miris jahrbuch“ durchgelesen. Interessant war, daß für mich die Texte von SWR und DLF wie Kreuzungen aus Wikipedia und Pressemitteilung wirkten - vielleicht sind sie auch zur Gänze auf Basis des Pressematerials entstanden. Ramses wurde ja schon x-mal im Fernsehen durchgenudelt und da hat man einige der Stichworte im Kopf. Miris Bericht wirkt hingegen wirklich frisch und sie kommt ganz ohne die von Ramses gezeugten über 100 Kinder aus.

Trotz Miris Empfehlung sind wir aber am Ostersamstag stattdessen in das Karlsruher Naturkundemuseum gegangen und haben die Entscheidung nicht bereut. Das „Aufgrund der großen Nachfrage“ auf der Landesmuseum-Website hat mich schon eine lange Schlange an der Kasse sehen lassen, und da hätten wir uns dann sowieso nicht angestellt. Kostenmäßig sind wir inklusive einer Kuchen- und Butterbrezel-Zwischenstation noch unterhalb des Ramses-Eintritts geblieben. Obwohl man nicht so denken darf. Ich hatte ja schon erwähnt, die Sonderausstellungen im Karlsruher Landesmuseum sind immer sehr opulent, also die 12 Euro Eintritt für die Vollzahler sind sicher ein Schnäppchen. (Nachdem ich mal die Bahncard-Ermäßigung im Landesmuseum erwähnt habe: die Ermäßigung kriege ich nicht mehr. Bin als Seltennutzer dreimal an Streiktagen mit dem Fernbus gefahren.)

In Miris Jahrbuch kann man sehen, was fotomäßig ginge. Ich hatte mich mal in „Kykladen in Karlsruhe“ über das Fotoverbot ausgelassen. Es gab wahrscheinlich früher Gründe für ein Fotografierverbot - warum sollen ein paar Leute fotografieren und die anderen stören? Und solche unkontrollierten Fotos muß man dann noch seinen Leihgebern vermitteln. Aber heute kommt die Fotografiererei ziemlich natürlich rüber. Ein kleiner Junge hat sich im Naturkundemuseum zwischen uns und einen Leguan gequetscht und dann erfreut sein Ergebnis auf dem Smartphone betrachtet. Ein junger Mann hat mit seinem Smartphone die beste Position im Treppenhaus für den großen Flugsaurier an der Decke gesucht.

Das Badische Landesmuseum hätte da bei der Kykladen-Ausstellung 2012 mit seiner Neuerung erstmals eine App zur Ausstellung anzubieten noch ganz vorne mit dabei sein können („Anscheinend nur iPhone, und wer kein iPhone hat kann ein iPad ausleihen“). Man hätte statt das Fotografieren in der Sonderausstellung zu verbieten ausgewählte Objekte freigeben und die Leute schon Selfies davor machen und in die Welt hinaus schicken lassen können, bevor Museums-Selfies überhaupt ein größeres Thema waren.

Meine früheren Ausstellungsberichte liefen von den Zugriffszahlen her sehr gut. Das hing damit zusammen, daß ich bei manchen gebräuchlichen Suchworten vorne auf der ersten Ergebnisseite war. Das änderte sich etwa ab dem „Imperium der Götter“. Da wurde ich außer von den nun besser suchmaschinenoptimierten Online-Ausgaben der Zeitungen auch von Websites mit Veranstaltungshinweisen aus kurzen Text nach hinten verdrängt.

Es hätte mir geholfen, wenn sich meine früheren höheren Zugriffszahlen auch in mehr Verlinkungen niedergeschlagen hätten. Hat es aber nicht. Und ich war dann auch nicht so motiviert, im Bereich der Zugriffszahlen größer zu versuchen dagegen zu halten. Aktuell habe ich mir nur darüber Gedanken gemacht, wie ich damals ein Stativ für die Nachtaufnahmen hätte mitnehmen können. Und die Texte könnte ich mir mal wegen der Verständlichkeit und obsoleten Links durchsehen.

Jedenfalls war ich dann zu Zeiten der Münchner Kyladenausstellung mit meiner Karlsruher Kykladenausstellung auf Seite drei, wenn ich nach „Kykladen Karlsruhe“ gegoogelt habe. Ganz vorne auf der ersten Seite war damals wie heute eine Fotostrecke (!) einer Stuttgarter Zeitung. Die Quelle „Unbekannt“ vom Bild 2 ist da schon bemerkenswert. Also nicht nur, daß es ein Fotoverbot in der Ausstellung gab, die Profis stellen auch noch ein Foto aus unbekannter Quelle ins Netz?

Wenn man sich auf so einen Kampf um die Zugriffszahlen einlässt, dann könnte ich das als Hobbyist ja mal machen um zu sehen was geht. Die Profis müssen sich für irgendwas entscheiden, die haben ja vielleicht einen super „Qualitätsartikel“, den sie nach vorne bringen könnten. Warum nimmt man so eine aus meiner Sicht nicht so repräsentative Fotostrecke? Vor Jahren wurde mal gesagt, da wird auf die Klickzahlen abgezielt. Ein Artikel bringt vielleicht nur drei Klicks, eine Fotostrecke zehn oder so.

Das mit der Suche ist heute nicht mehr so einfach nachvollziehbar, etwa weil Google den Standort des Suchenden mit einbezieht. Suche ich in München nach „Zeitspringer“, bin ich weiter vorne als im Raum Karlsruhe. Die alte Veranstaltungsseiten-Konkurrenz scheint bei den alten Sachen teilweise verschwunden zu sein. Vielleicht sind sie wirklich nicht mehr aktiv oder meine eigenen späteren Verlinkungen im Blog haben mich da höher gedrückt. Von den Zahlen her relevant sind allerdings die Suchergebnisse bei aktuellen Ausstellungen, und da war aus meiner Sicht spätestens mein „Imperium der Götter“ aus der Zeit gefallen.

Freitag, 7. April 2017

Georgensteinblick II

Im folgenden beziehe ich mich auf die im Georgensteinblick I beschriebenen Örtlichkeiten. Mit dieser Beschreibung sollte klar sein, wo die aktuellen Fotos aufgenommen wurden. Wenn nicht, bitte bei mir beschweren!

Bild 1 zeigt wieder den von einem der Aussichtpunkte des Georgensteinblicks aufgenommenen Georgenstein. Mittlerweile aus meiner dritten Fotoserie vom Georgensteinblick. Ostern und viel Freizeit naht und es wird absehbar noch dauern, bis ich in das Tal hinunter und auf die andere Isarseite komme. Daher noch Bild 2 und Bild 3 für alle, die schon früher starten und die Gegend erkunden wollen. Bild 2 zeigt rechts unten den Georgenstein und gegenüber die oberhalb des Georgensteins liegende Römerschanze. Bild 3 ist rechtwinklig zur Bildrichtung von 2 aufgenommen und zeigt die dazwischenliegende Isar.

Georgenstein

Laut Bayerischem Denkmal-Atlas beginnt die westliche Fortsetzung der Römerstraße ein Stück links von dem in Bild 3 sichtbaren Wehr. Die in Georgenstein I erwähnte mysteriöse Römerbrücke müßte sich in Bild 3 irgendwo weit rechts hinten befunden haben. Vielleicht knapp im schon nicht mehr sichtbaren Bereich? Östlich der Isar beginnt der Abstieg der Römerstraße zur Isar in Bild 2 rechts von der Römerschanze. Es gab/gibt die Idee, daß die Römerstraße bis zum Georgenstein (wie gesagt Bild 2 rechts unten) herunter führte und daß der Georgenstein zur Römerzeit als Brückenpfeiler diente. Wenn es so gewesen war, dann hätte man also rechts unten in Bild 2 noch ein Stück Römerbrücke gesehen. Aus der Perspektive von Bild 3 hätte sich dann die Römerbrücke außerhalb des sichtbaren Bereichs ebenfalls rechts unten befunden.

Römerschanze mit Georgenstein

Man könnte sich aber auch vorstellen, daß die Römerstraße nicht schnell hinunter, sondern nah an der Römerschanze um den Geländesporn herum führte. In dem Fall hätte man in Bild 2 zur Römerzeit oben die römische Wachstation und unterhalb die absteigende Römerstraße gesehen. Auf diese Weise hätte sie bis zu dem mysteriösen Brückenstück im Denkmal-Atlas auf der östlichen Isar-Seite weiterverlaufen und dort erst die Isar überqueren können.

Beginn Isar-Werkkanal bei Buchenhain

Ich würde mich ohne weitere Informationen nicht zu sehr auf eine dieser Positionen versteifen. Aber wenn man sonst nichts Besseres vor hat, kann man sich das ja mal alles aus der Nähe ansehen. Die Strecke von Grünwald hinunter zur Isar und zum Georgenstein, dann hoch und via Römerschanze zurück scheint ein Wander-Klassiker zu sein. Man möge mittels Worten wie „Grünwald Georgenstein Römerschanze Isar“ suchen und sollte von mehreren Anbietern Streckenvorschläge finden.

Die westliche Isareite ist verkehrstechnisch wesentlich besser erschlossen. Wie im Georgensteinblick I erwähnt, kommt man sogar mit der S-Bahn sehr nah an den Georgenstein heran. Es gibt die erwähnte Treppe hinunter. Nördlich gelangt man über die frühere Römerstraße in das Tal. Südlich scheint gleich nach meinem Standort für Bild 3 ebenfalls ein Weg hinunter zu führen.

Wer jetzt noch etwas Zeit hat, dem empfehle ich einen Blick in die „Illustrirte Geschichte der Stadt München“ Ferdinand Kroneggs von 1903 zu werfen. Ringwallbefestigungen hat man damals wohl Kelten und Germanen zugesprochen. Die heute als keltisch angesehene „Viereckschanze (Mehrfachschanze) der späten Latènezeit.“ D-1-7935-0043 sprach man dagegen den Römern zu. Und auf der folgenden Seite findet sich die Behauptung, daß bei „Bayerbrunn“ dereinst eine große Stadt gestanden habe, die dann "versunken" sei. Kennen wir so eine Sage von einer „versunkenen Stadt“ nicht auch im Zusammenhang mit Bernstorf? Gab es damals häufiger versunkene Städte? Hatten die damals Konjunktur?

Sonntag, 26. März 2017

Rom-Links, Rom-MOOC, Rom in 3D

Die im „Georgensteinblick“ erwähnte Römerstraße führte in westlicher Richtung in das römerzeitliche Gauting. Von Gauting aus sind mehrere weiterführende Römerstraßen belegt. Eine davon kreuzte bei Raisting südlich des Ammersees eine römische Nord-Süd-Verbindung und führte dann in Richtung römerzeitliches Kempten und Bregenz weiter. Marcellina hat Raisting einen Ausflug gewidmet. Ihren Bericht „In Via: Raisting“ finde ich wegen dem für die Römerstraßenfotos gerade passenden Schneebelag ziemlich orginell.

Zusätzliche Infos zu den dortigen Römerstraßen gibt es vom „Arbeitskreis der Heimatforscher des Ammerseegebiets“: „Römerstraßen im Ammermoos“. Und natürlich auch im Bayerischen Denkmal-Atlas, da gibt es in der Gegend ziemlich viele Rot-Markierungen.

2015 hatte ich unter dem Titel „Rom-Links“ auf den Start einer Rom-Serie im Archaeologos-Blog hingewiesen: „archaeologos auf Reisen: Rom I – die Basics“. Im Februar startete mit „Wenn einer eine Reise tut…“ wieder eine Rom-Serie mit umfangreichen Tipps für die Reiseplanung.

Vom Häferlkaffee-Blog habe ich, glaube ich, erst in der jüngeren Vergangenheit etwas mitbekommen. Also „Roma – immer etwas Neues zu entdecken!“ vom Februar dürfte der erste Rom-Beitrag gewesen sein, den ich gesehen habe. An ältere Beiträge kommt man via dem Tag „Rom“. Das ist aber nur ein sehr kleiner Teil des sehr umfangreichen Werks, durch das man zumindest mal durchscrollen sollte. Wenn man schon dabei ist, sollte man das Durchscrollen auch noch mit dem älteren Blog „in via archaeologica“ fortsetzen.

Zum Thema Rom läuft seit vorletztem Montag ein MOOC: „Rome: a Virtual Tour of the Ancient City“: „Take a guided tour around ancient Rome with University of Reading expert, Dr Matthew Nicholls, using his detailed, historically accurate and award-winning, 3D digital model of this awe-inspiring city. Immerse yourself in the architecture and history of Ancient Rome.“ Der Kurs dauert 5 Wochen, es wird ein Aufwand von 3 Stunden pro Woche angegeben und er läuft als „FREE online course“, für den ein „Upgrade available“ ist.

Dienstag, 21. März 2017

Der Georgensteinblick

Beim „Georgensteinblick“ handelt es sich gleich um mehrere Aussichtspunkte bei Buchenhain oberhalb des Isartals, von denen man (derzeit) eine freie Sicht auf den Georgenstein hat. Wo sich die Aussichtspunkte ungefähr befinden, kann man sich via diesem Link auf der Karte seiner Wahl ansehen. Informationen über den Georgenstein gibt es in der Wikipedia.

Georgensteinblick

Der Georgenstein ist für uns als Geländemarke für die Grünwalder Römerschanze und für die frühere Römerstraße interessant, die hier die Isar überquerte. Die Römerstraße führte auf der östlichen Isarseite, also auf den Fotos links vom Georgenstein, herunter zur Isar. Die Grünwalder Römerschanze befindet sich links oberhalb des Georgensteins auf auf einem Geländesporn über dem Isartal. Dort befand sich eine römische Wachstation, von der man den Isarübergang überwachen konnte. Heute hat man direkt von der Römerschanze wegen den Bäumen keine gute Sicht in das Isartal. Insofern eignet sich der bequem via Fahrrad, S-Bahn oder Auto erreichbare Georgensteinblick bestens für den Einstieg. Von hier kann man sich einen Überblick über die Lage der ehemaligen Wachstation und den Verlauf der Römerstraße im Gelände verschaffen. Und die kleine Expedition lässt sich beliebig auf der westlichen Isarseite ausdehnen.

Zur Vorbereitung möge man sich im genannten Georgenstein-Artikel in der Wikipedia die Darstellung von Linbrunn von 1764 ansehen, in der die Wälle der Römerschanze und die herunterführende Straße eingezeichnet sind. Weiter sollte man sich unbedingt noch den Verlauf der Römerstraße und die Lage der Römerschanze im Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Die Denkmalnummer der Römerschanze ist D-1-7935-0002

Georgenstein

Die Römerstraße endet im Bayerischen Denkmal-Atlas auf der Westseite der Isar kurz vor, im Osten sogar ein Stück weiter entfernt vor der Isar. Also einen eingezeichneten Übergang gibt es derzeit nicht. Es fällt aber auf, daß etwas flußabwärts - vom eigenen gedanklichen Zusammenführen der Römerstraßenenden vielleicht 400m entfernt - eine römische Brücke eingezeichnet ist (Denkmal D-1-7935-0005). Wer Informationen hat, was da der Stand der Dinge ist, möge vielleicht mal hier kommentieren oder mir eine Mail schicken.

Die angegebene Geokoordinate des Georgensteinblicks sollte so ungefähr auf einem Waldweg liegen. Außer den dort befindlichen Aussichtspunkten gibt es auch etwas entfernt eine Geländeplattform mit Sitzbänken direkt an der Straße. Bewegt man sich auf dem Waldweg zur Straße und dort noch ein Stück die Straße von Buchenhain nach Baierbrunn entlang auf dem Rad/Fußweg, wird man diese Plattform finden. Geht man weiter entlang der Straße bis zu einem nach links abzweigenden Asphaltweg weiter, dann kann man an diesem Asphaltweg einen weiteren Aussichtpunkt mit Blick auf die Stelle finden, wo das Wasser für den hier beginnenden Isar-Kanal abgezweigt wird und wo ein Stück links von der Isar die Römerstraßenmarkierung im Bayerischen Denkmal-Atlas wieder beginnt.

Georgenstein

Nun wieder geistig zurück zum Ausgangspunkt auf dem Waldweg: Bewegt man sich von dieser Geokoordinate statt zur Straße in der Gegenrichtung die Kante hinunter in das Isartal entlang, dann gelangt man bald zu einer Treppe, mittels der man hinunter auf die Waldwege im Isartal kommt und versuchen kann diesen im Denkmal-Atlas markierten Anfang des westlichen Teils der Römerstraße zu finden.

Samstag, 18. März 2017

Kontrovers-Nachklapp

Der in meiner „Hellseherin vom Bernstorfer Berg“ empfohlene Bernstorf-Beitrag im BR-Magazin Kontrovers „Der Schatz von Bernstorf. Zweifel an Echtheit bleiben“ ist tatsächlich noch am selben Tag gesendet und nicht wieder verschoben worden. Zum Glück hatte ich meine „Hellseherin“ zuvor eingestellt. Denn im Fernsehbeitrag wurde auf denselben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege verantworteten Teil in der neuen Gebhard/Krause-Publikation verwiesen, den ich auch erwähnt hatte („Funde und Finder. Zur Aufindungsgeschichte der Gold- und Bernsteinartefakte im Bereich der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf, Gemeinde Kranzberg“). Sogar die Stelle mit dem Aktenvermerk zur „Hellseherin“ wurde gezeigt.

Zu diesen Fundumständen gab es kurze Bemerkungen von Prof. Dr. Ernst Pernicka und ein längeres Interview mit Prof. Dr. Stefan Winghart. In diesem Interview wurde auch die Hellseherin angesprochen. Daneben wurde in dem Kontrovers-Beitrag von Prof. Pernicka der Fälschungsvorwurf aufgrund der Reinheit des Goldes wiederholt. Von Prof. Dr. Harald Meller gab es eine kurze Bemerkung zu den als neuzeitlich nachgewiesenen Lehmummantelungen. Prof. Dr. Rupert Gebhard durfte sich zum Fälschungsverdacht äußern und wurde nach dem nicht in der neuen Publikation erschienenen Bericht der Wissenschaftlerin gefragt, die bei der Tagung der Archäologischen Staatssammlung 2014 die gravierten Bernsteine als Fälschung bezeichnet hat.

In den acht Minuten Fernsehbericht konnte die einzelnen Aspekte zwangsläufig nur kurz angesprochen werden. Es war aber schon auffällig, wie einsam man die Aussagen Prof. Gebhards stehen ließ. Etwa seinen Satz gegen Ende des Berichts, nach dem man automatisch zu dem Schluß kommen soll, daß es eigentlich unmöglich sei, daß es sich um eine Fälschung handeln kann. So wie BR Kontrovers diesen Bericht aufbaute, scheint man nicht so von der Schlüssigkeit der Argumente Prof. Gebhards überzeugt zu sein. Seine Kernaussagen dürften aber in dem Bericht enthalten sein, und das würde man ja auch von einem seriösen Bericht erwarten.

Ich will jetzt mal von dieser Fernsehsendung weg und hin zu dem Aspekt, daß die im Zusammenhang mit Bernstorf immer wieder auftretenden Personen sowohl selbst als Medium auftreten, als „vermittelndes Element“, als auch auf Medien Einfluß nehmen. So haben etwa die Professoren Gebhard, Krause, Pernicka als auch Dr. Moosauer sowohl Vorträge über das Thema Bernstorf gehalten als auch Texte veröffentlicht. Den Vortrag, den Prof. Pernicka in Freising gehalten hat, kann man sich noch via den Medien Video, Internet und Website des Archäologischen Vereins Freising ansehen. Über den Krause-Vortrag vom Dezember 2014 gibt es einen Bericht im Sucherforum, ich hatte das in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnt.

Prof. Gebhard ist, siehe oben, hinsichtlich einer Wissenschaftlerin auf die Gestaltung der von ihm mit Prof. Krause herausgegebenen Publikation angesprochen worden, da ging es also um seinen Einfluß auf ein Medium. Aus dieser Publikation ist, wie in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnt, ein von ihm und Prof. Krause geschriebener Teil (Inhalt, Einleitung, Synthese) via Academia.edu frei zugreifbar. Das Zurverfügungsstellen solcher Texte will ich eigentlich immer loben. Selbst wenn diese Offerte eher an die Fachkollegen als an gleichermaßen interessierte Laien gerichtet ist. Ist ja zumindest ein Anfang.

Im vorliegenden Fall scheint die „Synthese“ dieses frei zugreifbaren Teils der Gebhard/Krause-Publikation aber nicht als Synthese überzeugt zu haben - siehe stattdessen das BR-Kontrovers-Interesse an den Fundumständen - und mithin aus dieser Sicht für die Publikation nicht hinreichend repräsentativ zu sein. Was ist dann die Begründung dafür, daß nur dieser Teil der Publikation frei zugreifbar eingestellt wurde? Analog das in „Bernstorf in der nächsten Runde“ erwähnte Beispiel Erwin Neumair, der in der „Einleitung“ nur als Vorsitzender des Archäologischen Vereins Freisings vorkommt, in der Angelegenheit Bernstorf aber eine wichtige Rolle als Kreisheimatpfleger spielte. Im vom Denkmalamt verantworteten Teil der Publikation wird er mehrfach korrekt in seiner Rolle als Kreisheimatpfleger erwähnt.

Ein anderes Argument gegen das nur teilweise frei Verfügbarmachen der Publikation ist der Widerspruch zur bis zur Publikation vorgebrachten Aussage, man wolle alles im Gesamtzusammenhang veröffentlichen. Warum koppelt man dann einen Teil aus? Warum hat man nicht angestrebt, alles als Open-Access-Publikation zu veröffentlichen?

Wie wird das von Archäologen reflektiert? Wenn der DGUF-Newsletter dafür repräsentativ ist, fallen solche Punkte überhaupt nicht auf, obwohl sich die DGUF selbst Open Access auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Auf der Website der Archäologischen Staatssammlung sehe ich weiterhin nur den Hinweis auf die gedruckte Publikation mit Preis und Mailadresse, via der man die Publikation bestellen kann. Kein Dossier Bernstorf, nicht mal einen Link auf den bei Academia.edu zugreifbaren Teil der Publikation.

Wichtiger scheint die über die Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“ ansprechbare Zielgruppe gewesen zu sein. Dort hatte letztes Jahr Prof. Pernicka einen Artikel veröffentlicht („Echt oder falsch? Ein Zwischenstand zum Disput um die Funde von Bernstorf“). Nun schreibt „Archäologie in Deutschland“, die Zeitschrift hätte Prof. Krause und Prof. Gebhard „gebeten, ein Statement zur Einschätzung von E. Pernicka abzugeben, denn unsere Leser sollten bei einer so interessanten und spannenden Materie keinesfalls ein einseitiges Bild bekommen“. Und prompt wurde den Lesern auch sehr zeitnah zur neuen Publikation die Krause-Gebhard-Sicht in einem Artikel vermittelt.

Vielleicht lag das ja nicht nur an dem Zielgruppe. Vielleicht sind die Informationen auf der Website der Archäologischen Staatssammlung nur deshalb so dünn, weil die Website-Besucher bislang noch nicht wie die Zeitschrift AiD um mehr Informationen gebeten haben?

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Hellseherin vom Bernstorfer Berg

Mein „Bernstorf in der nächsten Runde“ ließ ich mit dem Gedanken enden, dass Major Adolf Kottan mit seinem Team per Zeitsprung nach München kommt, die Angelegenheit Bernstorf umfassend klärt, und bei der Gelegenheit auch herausbekommt, ob tatsächlich eine Hellseherin an den Funden beteiligt war.

Mittlerweile habe ich mitbekommen, daß ein entsprechender Aktenvermerk des Mitarbeiters des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege Dr. Martin Pietsch über eine Hellseherin bzw. eine Frau mit „hellseherischen Fähigkeiten“ in der jüngst vorgestellten Publikation der Professoren Gebhard und Krause enthalten ist: im Teil von „Claudia Rohde unter Mitarbeit von C. Sebastian Sommer, Jochen Haberstroh, Martin Pietsch, Stefan Winghart und Peter Freiberger“: „Funde und Finder. Zur Auffindungsgeschichte der Gold- und Bernsteinartefakte im Bereich der bronzezeitlichen Befestigung von Bernstorf, Gemeinde Kranzberg“. Dort ist auf Seite 299 der Aktenvermerk abgedruckt, nach dem Dr. Manfred Moosauer anlässlich einer Nachuntersuchung am Ort der ersten Goldblechfunde mit einer Bekannten erschienen ist, „von der er sagte - sinngemäß - sie habe hellseherische Fähigkeiten. Sie habe das Gefühl, es sei noch etwas zu finden und zeigte auf eine Stelle etwa 5 Meter entfernt von der ersten Fundstelle am Rand der aufgehäuften Baumstümpfe. Innerhalb kürzester Zeit, etwa eine halbe Minute konnte dann exakt an dieser Stelle ein weiteres Goldblech gefunden werden.“

Das BR-Magazin Kontrovers will sich auch wieder dem Thema Bernstorf widmen: „Der Schatz von Bernstorf. Zweifel an Echtheit bleiben.“ Die Aussendung ist aktuell für heute Abend ab 21 Uhr vorgesehen. Die Aussendung sollte schon am letzten Mittwoch stattfinden, wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen.

Samstag, 4. Februar 2017

Bernstorf in der nächsten Runde

Die Bernstorfer Gold- und Bernsteinfunde stehen unter Fälschungsverdacht. Es gab schon früh Zweifel an den Funden, das K.o.-Kriterium schienen aber erst die Goldanalysen von Prof. Dr. Pernicka zu liefern: das Gold erwies sich aus Pernickas Sicht als zu rein, um aus der Bronzezeit stammen zu können. Diesen Stand von 2014 zum Bernstorfer Gold, den Bernsteinen, den Fundumständen und zu den beteiligten Personen kann man sich ganz gut mit dem noch zugreifbaren BR-Video „Goldschatz Bernstorf - Zu rein, um wahr zu sein?“ vergegenwärtigen.

Weitere Untersuchungen von Gold und Bernstein wurden in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse gemeinsam im Rahmen einer Publikation von Prof. Dr. Rupert Gebhard und Prof. Dr. Rüdiger Krause „voraussichtlich Ende 2016“ veröffentlicht werden sollten. Diese Publikation wurde Mitte Januar 2017 vorgestellt: „Bernstorf. Archäologisch-naturwissenschaftliche Analysen der Gold- und Bernsteinfunde vom Bernstorfer Berg bei Kranzberg, Oberbayern“. Die Publikation ist in Teilen (Inhalt, Einleitung, Synthese) online zugreifbar und widerspricht dem Fälschungsverdacht (siehe das „Fazit“ in der „Synthese“): „Fasst man alle in dieser Arbeit diskutierten Aspekte zusammen, so kann kein einziges stichhaltiges Argument für das Vorliegen einer Fälschung namhaft gemacht werden.“

Manche Medien haben dies so durchgereicht. Der KURIER.at konnte zu dieser Publikation auch Prof. Dr. Pernicka befragen. Und der bleibt „natürlich bei seiner Meinung“. „Solch reines Gold kann man nur mit Elektrolyse herstellen, und die gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts“.

In meinem Blog hatte ich über die Jahre immer wieder ein paar Links zu Bernstorf. Wie ich mittlerweile gesehen habe, stellen meine in größeren Abständen veröffentlichten Hinweise nur eine kleine Untermenge dessen dar, was in einem eigenen Thread zum Thema „Bernstorf-Schatz in Bayern soll Fälschung sein“ im Sucherforum gesammelt wurde. Neben den dort zeitnahe eingestellten Links gibt es auch viele zusätzliche Hintergrundinformationen. Ich empfehle allen Interessierten sich dort einzulesen und im Sucherforum den weiteren Verlauf zu verfolgen.

Aus meiner fernen Sicht auf Bernstorf habe ich mittlerweile den Eindruck eines nicht so konstruktiven Hickhacks auf unterer Ebene, von nicht so konstruktiven einseitig informationsreduzierten Darstellungen gewonnen. Ich hatte hier im Blog schon auf die ohne Angabe von Datum und Verfasser im November 2014 auf der Website der Archäologischen Staatssammlung eingestellten „Fragen und Antworten zum Gold von Bernstorf“ hingewiesen. Via Sucherforum habe ich nun mitbekommen, daß Prof. Dr. Pernicka es notwendig fand dazu eine umfangreiche Stellungnahme mit Richtigstellungen und Nachträgen zu verfassen. Ebenfalls aus dem Sucherforum kann einem Bericht von einem Vortrag von Prof. Krause in der Archäologischen Staatssammlung im Dezember 2014 entnommen werden, daß Prof. Pernicka dort anwesend war. Also man hatte immer den Kontakt, man hätte sozusagen bei den „nicht kriegsentscheidenden Basics“ eine übereinstimmende Darstellung erzielen können, wenn man einen Sinn darin gesehen hätte.

Man beachte auch im oben verlinkten BR-Video die „vermutlich im Auftrag eines anderen“-Aussage von Dr. Moosauer. Mit dem „anderen“ dürfte Erwin Neumair gemeint sein. Der mußte nach meinem Verständnis als Kreisheimatpfleger seine Zweifel am Bernstorf-Projekt von Traudl Bachmaier und Dr. Manfred Moosauer äußern dürfen, um seinem Amt gerecht zu werden. Anderseits war er als Vorsitzender des Archäologischen Vereins im Landkreis Freising mit gegenläufigen Museumsinteressen Partei. Ich weiß nicht, was sich da in den Jahren angehäuft hat, aber man sollte vielleicht dennoch versuchen, den Personen und den Sachverhalten gerecht zu werden. In so einer Situation wird dann tatsächlich wie im Sucherforum bemerkt in der Einleitung der Gebhard/Krause-Publikation konsequent der Name Neumair falsch geschrieben.

Ich selbst habe zunächst die Version von der Fundkritik kennengelernt, nach der die Funde deshalb kritisiert wurden, weil sie von Hobbyarchäologen gemacht wurden. Was soll daran schlimm sein, wenn Gold und Bernstein von Hobbyarchäologen gefunden wurden, dachte ich? Später habe ich nach und nach mehr von den Fundumständen erfahren und mich veräppelt gefühlt. Vielleicht kann man nicht anders, aber möglicherweise richtet man so auch für die eigene Sache mehr Schaden als Nutzen an.

Die Frage nach der „versunkenen Stadt“, dem Ausgangspunkt der Suche von Traudl Bachmaier und Dr. Manfred Moosauer, scheint derzeit in den Hintergrund zu treten. Man hat auf dem Bernstorfer Berg bislang keine große bronzezeitliche Siedlung gefunden und beruft sich als Beweis für die besondere Rolle von Bernstorf stattdessen auf die „größte Befestigung nördlich der Alpen“, siehe dazu das Interview von Prof. Krause in münchen.tv. Doch obwohl Bernstorf nach Bernstein und Amper nach Amber klingt, scheint man Bernstorf und die Amper-Route noch nicht in die klassischen Bernsteinstraßen-Darstellungen aufgenommen haben. Auf Bernhard Schwades Altwege-Website sehe ich als näheste Strecke die für mich wesentlich vernünftiger klingende Inn-Route. Es gibt nach dieser Darstellung sogar eine „griechische Bernsteinstraße“, und die liegt noch wesentlich entfernter: „Die griechische Bernsteinroute verlief vom Weichseldelta entlang der Weichsel und Dnjestr bis zur Mündung in das Schwarze Meer und von dort auf dem Seeweg bis nach Santorin und Mykene.“

Zu den Websites: ab und zu sehe ich Bemerkungen, nach denen für das Kranzberger Museum mehr Werbung gemacht werden soll. Und ein erster Anlaufpunkt ist für viele mittlerweile die Website ihres Ausflugsziels. Dort sehe ich nicht, daß man das Museum über Berichte von den lokalen Ausgrabungen interessant machen will. Das Museum heißt „Bronzezeit Bayern Museum“. Man könnte für das „Bronzezeit Bayern“-Image etwas tun, in dem man darüber hinaus über laufende bayerische Bronzezeit-Projekte informiert. Das Minimum sollten aber Hinweise sein, wie man vom Museum zum Bernstorfer Berg kommt. Warum fährt man sonst nach Kranzberg? „Aura des Originals“ und so?! Irgendein Rundweg, auf dem man diese Lage oberhalb der Amper besichtigen kann. Da finde ich auf der Website nichts.

Bei der Website der Archäologischen Staatssammlung muß man sich an die eingestellten „Fragen und Antworten“ erinnern, mit denen auf die Zweifel von Prof. Pernicka und Prof. Meller und die folgende Medien-Berichterstattung reagiert wurde. Da hat man die Möglichkeiten einer eigenen Website durchaus erkannt. Derzeit sieht man auf der Website den Hinweis, daß die Dauerausstellung am 1.8.2016 schließt und das Foyer bis 20.1.2017 geöffnet bleibt. Unter „Aktuelles“ wird über die erschienene Gebhard/Krause-Publikation informiert, ohne aber auf den oben verlinkten Auszug hinzuweisen.

Die Website der Archäologischen Staatssammlung war mal verglichen mit anderen Museen sehr ambitioniert. Man kann die Website via Wayback Machine bis in das Jahr 2002 zurück verfolgen und dort nachlesen: „Diese Website entstand als Abschlussprojekt der Teilnehmer des Lehrgangs "Online-Journalismus" an der Journalistenakademie Dr. Hooffacker & Partner in München“. Man konnte zu dieser Zeit die alten Mitteilungsblätter der „Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte e.V.“ einsehen, die dann auch fortlaufend bis zur Neugestaltung der Website 2013 weiter eingestellt wurden. Jetzt gibt es nur noch wenige Beispiele der Mitteilungsblätter. Ich hatte wegen dem Wegfall herumgemeckert, weil sie sich auf viele Sachverhalte der bayerischen Vor- und Frühgeschichte bezogen, die man sonst nirgends online in dieser Qualität und Detailiertheit nachlesen konnte. Ein Beispiel waren die Informationen zu dem von mir besuchten Gautinger Brandopferplatz.

Mir schien, daß bis 2013 zumindest versucht wurde, den Rahmen von 2002 auszufüllen. Die neue Website hat dann manches übernommen, wie etwa die „Presseinformationen“, aber das nicht mehr ausgefüllt (eine letzte Pressemitteilung von 2015). Sicher gab es 2002 explizite Konzepte für die Website, die man statt „ausfüllen“ auch „annehmen“ gekonnt hätte, sowohl von seiten der Archäologischen Staatssammlung als auch den Nutzern der Website. So sind die alten Mitteilungsblätter zwar öfters von außen verlinkt worden. Aber es gab nie eine Resonanz auf mein Gemecker, daß man sie weggenommen hat. Okay, wenn es allen in und außerhalb der Archäologischen Staatssammlung egal ist!?

Ich denke, die Archäologischen Staatssammlung hätte weiter gute Möglichkeiten. Ich hatte die Hamburger „Social Media Abende“ erwähnt, wo man an die 50 Twitterer und Facebooker zusammengebracht hat. Ich finde das gut. Vielleicht könnte man sowas mit Mitgliedern des eigenen Freundeskreises üben. Ab und zu ein Termin von der Baustelle, um im Internet bis zur Neueröffnung des Hauses präsent zu bleiben und bspw. Rückmeldungen zum eigenen Webauftritt zu bekommen. Aber mir fehlt der Glaube, daß jemand in und außerhalb der Archäologischen Staatssammlung so etwas wichtig findet.

Hinsichtlich dem Fälschungsverdacht erwähnt Prof. Dr. Gebhard am Ende des oben verlinkten BR-Video noch die Option Kriminalermittler. Aktuell werden alte „Kottan ermittelt“-Filme in ORF eins wiederholt. Am Ende des zweiten Films „Der Geburtstag“ dachte ich, das wär's. Das Team von Adolf Kottan (Major Kottan passend zu obiger egal-etc.-Kette am besten von Peter Vogel dargestellt) müßte mal locker aus so einer Feier heraus zeitsprungmäßig nach München kommen und die Sache aufklären. Im Falle einer Fälschung würden sie das sicher feststellen. Im Falle der Echtheit würde ihnen die Welt glauben, daß alles echt ist. Und nebenbei würde sicher auch geklärt, ob wirklich eine Hellseherin mal auf dem Bernstorfer Berg war und dort einen Gold- oder Bernsteinknödel gefunden hat.