Samstag, 19. August 2017

4. Brillenschaftag am 7.10.2017 im Burghof Grünwald

Am 7. Oktober 2017 soll wieder ein Brillenschaftag in der Burg Grünwald mit „mit Handwerks- und Schmankerlständen“ stattfinden. Das detailliertere Programm bzw. eventuelle Änderungen auf dem Weg hin zum Termin entnehme man bitte der Website der Archäologischen Staatssammlung.

Burg Grünwald

Das in der Grünwalder Burg untergebrachte Burgmuseum Grünwald ist ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung. Vor kurzem bin ich auf dieses Video von münchen.tv gestoßen: „Am Jagdschloss Grünwald mit Prof. Rupert Gebhard“ Prof. Rupert Gebhard ist der Leiter der Archäologischen Staatssammlung. Marion Schieder interviewt ihn knapp 12 Minuten lang bei einem kleinen Spaziergang in die Burg. Das Video wäre eine passende Vorbereitung für einen Besuch der Burg.

Burg Grünwald

Mittwoch, 26. Juli 2017

More Doors (für Rimmelsbach)

Marcellinas „66 Hours in Berlin“ erinnerten mich an den Bericht meines Freundes Ralf von seiner Berlin-Tour. Mit der musikalischen Abweichung, daß er bis dahin das Ramones-Museum noch nicht kannte, aber dafür interessante Erlebnisse bei der Equipment-Beschaffung hatte (sein Berliner Lieferant ist auch aus unserer Gegend). Jedenfalls mußte ich gleich nachsehen, ob es ein neues Werk von Ralf gibt. Und fand „More Doors (für Rimmelsbach)“.

More Doors (für Rimmelsbach) von Ralf Schneider auf Vimeo.

„Rimmelsbach“ bezieht sich auf „Rimmelsbacher Hof“. Das ist eine Gruppe von Häusern auf einer Rodungsinsel im Nordschwarzwald nördlich des Mahlbergs. Um es noch etwas komplizierter zu machen, befindet sich in einem der Häuser, Hausnummer Rimmelsbacher Hof 3, eine Gaststätte, die selbst wieder „Rimmelsbacher Hof“ heißt. Früher war das mit dem Namen einfacher, die Ansiedlung soll 1115 als „Rümlinsbach vicus“ ersterwähnt worden sein.

Die Häusergruppe ist dem Rheintal sehr nahe. Auf dem schnellsten Weg geht aber nicht abwärts hinunter, sondern erst einmal hoch auf einen bewaldeten Geländesattel. Ich habe die Geokoordinaten aus dem Bereich dieses Geländesattels genommen. Der Rimmelsbacher Hof entwässert in Gegenrichtung in das Moosalbtal. Die Moosalb fließt wiederum in die Alb und die Alb fließt erst in den Rhein. Foto 2 mit der Sitzbank im Vordergrund habe ich bei dem durch die Geokoordinaten angegebenen Ort in Richtung Moosalbtal aufgenommen. Für interessierte Wanderer hier noch das Stichwort „Carl Schöpf Hütte“: die befindet sich ein paar Schritte links vom Foto-2-Aufnahmeort.

Rimmelsbacher Hof

Von dieser Stelle auf dem Geländesattel kommt man sehr schnell auf einen Weg, der hinunter in das Rheintal führt. Ich bin da noch nie hinunter, aber zeitweise häufig allein oder mit einem Mitradler hier in der Richtung des Geländesattels durchgekommen. Um dann relativ angenehm, im Wald und am Waldrand entlang, mit erträglichen Steigungen, später zwischen Völkersbach und Freiolsheim durch bis nach Moosbronn zu radeln und dann durch das Moosalbtal wieder zurück zu rollen.

Obwohl mir somit klar war, wie nah man da am Rheintal ist, war ich dann doch von der Vermutung irritiert, daß dieses Gebiet zwischen Moosalbtal und Rheintal über den Rimmelsbacher Hof besiedelt wurde. Denn zum einen liegen dessen Häuser heute abgelegen von der Hauptverkehrsstrecke, zum anderen haben die umliegenden Ansiedlungen wesentlich mehr Einwohner.

Blick vom Waldrand oberhalb des Rimmelsbacher Hofs Richtung Moosalbtal

Ein Blick ins Netz macht die Sache plausibler. Man findet die genannte Ersterwähnung von 1115, die umliegenden Siedlungen sind später erwähnt worden. Es ist auch so, daß direkt unten im Rheintal die Römerstraße verlief, mithin eine uralte Hauptverkehrsstrecke. Vom Gebiet des gleich unten liegenden Sulzbach sind römerzeitliche Funde bekannt. Über die großflächige römerzeitliche Waldnutzung will ich jetzt nicht spekulieren, aber nochmal auf die Entwässerung via Moosalb und Alb und das am Albausgang aus dem Schwarzwald liegende Ettlingen hinweisen. In dem verlinkten Text gibt es ein paar Bemerkungen zur Wassernutzung.

Versucht man statt bis zu den alten Römern nur hundert Jahren zurückzublicken, dann gab es zu dieser Zeit hier oben auf den Rodungsinseln eine Vielzahl von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben mit Hofgrößenordnungen zwischen keinen bis wenigen Kühen. Die Höfe ohne Kuh dann mit Ziege. Gepflügt, die Ernte eingebacht und das Feuerholz im Wald geholt hat man allerdings mit Kühen. Dabei darf man das Mostobst nicht zu vergessen, hier ist eine Mostgegend. Übriggebliebener Most konnte zu Schnaps gebrannt werden.

Blick vom Waldrand oberhalb des Rimmelsbacher Hofs Richtung Mahlberg

Das mit der Landwirtschaft auf Ziegenbasis konnte also nur sehr eingeschränkt funktionieren, wie auch viele Bauerfamilien mit einer oder wenigen Kühen sehr häufig auf weitere Erwerbsmöglichkeiten angewiesen waren. In Ettlingen gab es schon Fabriken, und eine meiner Großmütter ist vor der Ehe zur Arbeit in die Ettlinger Spinnerei marschiert. Man versteht in so einem Zusammenhang, welche Bedeutung die Entfernungen zu den Märkten oder zum Arbeitsplatz hatten. Carsten Wasow hat diese Problematik in seiner Beschreibung von den Ursprüngen der „Kraftpostlinie (Karlsruhe -) Ettlingen - Völkersbach (- Bernbach)“ sehr gut rübergebracht.

Zurück zu den kleinen Landwirtschaftsbetrieben: mein Vater hat mir von Anspanngemeinschaften erzählt, bei denen sich jeweils zwei Familien mit nur einer Kuh zusammengetan haben - und sich dann manchmal gestritten haben, wessen vom Regen bedrohtes Heu zuerst eingefahren wird. Ein interessantes Geschäftsmodell soll denjenigen ohne Kuh von „Viehjuden“ angeboten worden sein: eine dürre Kuh wurde leihweise in den Stall gestellt und mußte im Gegenzug für ihre Dienste auf ein besseres Verkaufsgewicht gefüttert werden. Nach Websuche war Viehjude so ein etablierter Begriff, daß teilweise auch nichtjüdische Viehändler so bezeichnet wurden. Näheres dazu im pdf „Weg und Schicksal der Viehjuden von Esslingen, Cannstatt und Winnenden“

Hinweisschilder oberhalb des Rimmelsbacher Hofs

Zurück auch zum Rimmelsbacher Hof: ich bin mit meinem bayerischen Schatzi das Tal entlang bis hoch zu dieser Sattelfläche spazieren gegangen. Ich kenne mich da natürlich voll aus und ignoriere Hinweisschilder. Schatzi fotografiert die häufig und entdeckt eine „Scheuerklamm“. Ich bin wie gesagt da noch nie runter, ich hatte den Namen noch nie gehört. Ich habe dann meinen Vater nach der Scheuerklamm gefragt. Der meinte, da wären vor dem Krieg viele aus den Dörfern hinunter und dann weiter nach Malsch, weil die jüdischen Händler in Malsch manchmal günstiger als die Ettlinger Händler waren.

Sucht man im Netz, findet man auf den Websites der Alemannia Judaica und der Heimatfreunde Malsch umfangreiche Informationen über das frühere jüdische Leben in Malsch. Die weiterführenden Schulen sind in Ettlingen und ich bin dort mit Schulkameraden aus Malsch und Ettlingen in einer Klasse gewesen und wir haben trotz jeder Menge Drittes Reich im Unterricht nie etwas über die Juden in Malsch gehört.

Abschließend noch die Buchempfehlung „Bischweiler oder Der große Lebold. Jüdische Komödie“ von Claude Vigée in 2 Bänden. Bischweiler/Bischwiller liegt geschätzt etwa 30 km Luftlinie von Malsch entfernt im Elsass. Ich habe den ersten Band zu zwei Dritteln gelesen. Ich wollte ursprünglich erst etwas zu diesem Durchgang beim Rimmelsbacher Hof schreiben, wenn ich beide Bände gelesen habe. Aber das wird noch dauern. Das liegt an mir, das Buch ist eine Perle. Ich habe das Schreiben jetzt wegen den „More Doors“ von Ralf vorgezogen. Das ist sowohl vom Textumfang als auch von dem mittlerweile festgestellten Umstand her vernünftiger, daß in dem Buch bislang die Juden auf der anderen Rheinseite keine Rolle spielen. Das Leben der elsässischen und der badischen Juden scheint sich durch die Rheingrenze getrennt entwickelt zu haben.

Montag, 26. Juni 2017

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Letztes Jahr im Mai wurde ich mit einem Sehnenschaden bei meinen Eltern geparkt und das allerbeste Schatzi von allen fuhr allein mit der Bahn von Karlsruhe zum Bodensee weiter. Dort hat sie mit einer Freundin das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen besucht und die beigefügten Fotos gemacht. In die Pfahlbauten geht es gruppenweise mit einem Führer. Der sei zwar nett gewesen und hätte auch mal auf eine gute Fotoperspektive aus einem Pfahlbau heraus hingewiesen, wollte aber für die Veröffentlichung im Blog keine Innenaufnahmen erlauben.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Ich war vor etwas über 25 Jahren im Pfahlbaumuseum, das war auch mit Führung. Ich glaube, wir haben damals auf den Stegen auf die Führung gewartet. Mittlerweile wartet man in einem Raum mit Ausstellungsstücken, bevor es mit einer zehnminütige medialen Einführung inklusive einem „virtuellen Tauchgang mit 360 Grad Panorama“ losgeht. Danach werden die Pfahlbauten besichtigt, manche Häuser müssen dabei aufgeschlossen werden, die anderen Bereiche können nach Abschluß der Führung alleine noch einmal angesehen werden.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Das Pfahlbaumuseum hat eine glänzende Stellung unter den Museen. Die Wikipedia gibt eine Besucherzahl von knapp 300000 pro Jahr an. Für das eine knappe Autostunde von Unteruhldingen entfernte Freilichtmuseum Heuneburg habe ich dagegen die Zahl von nur 25000 Besuchern für 2014 gefunden. Dieses viel größere Besucherinteresse läßt sich sicher zu einem Teil auf die günstigere Lage Unteruhldingens in einem Urlaubsgebiet ersten Ranges zurückführen. Zwischen Ausflugszielen wie der Basilika Birnau und der Meersburg und gegenüber Zielen wie der Insel Mainau und Konstanz.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Aber um als Museum solche Zahlen zu bewegen, muß man dennoch irgendwie in die Köpfe dieser vielen Menschen kommen. Heute ist Unteruhldingen unter den vielen Museumsalternativen einfach da, ohne auf Schlagzeilen angewiesen zu sein. Speziell wenn es um Pfahlbauten geht, fällt einem vermutlich am ehesten Unteruhldingen ein. Eine Erklärung dafür mag der frühe Eröffnungszeitpunkt 1922 bieten, der früh von dem damaligen „neuen Medium“ Film begleitet wurde. Es sollen schon in 1920er Jahren Spielfilme in Unteruhldingen entstanden sein. Ich würde zusätzlich auf Filmberichte in den Wochenschauen tippen, mit denen die Generation meiner Eltern in den folgenden Jahrzehnten flächendeckend erfasst wurde. Da gab es sicher neben viel Licht auch viel Schatten, siehe die Bemerkungen zum Nationalsozialismus in meinen letzten Abschnitten. Jedenfalls, bis ich dann geboren wurde und in die Schule kam, kannten „alle“ das Pfahlbaumuseum, das Museum war bei der Elterngeneration präsent.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Ein kleiner Schlenker zur eingangs erwähnten Bahn, mittels der der Bodensee in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts den Einwohnern der Anliegerstaaten deutlich näher rückte. Ab da ging für viele ein Tagesausflug an den Bodensee. Ich bin mal anlässlich des Wandertags mit meiner Schulklasse von Karlsruhe via der äußerst interessanten Schwarzwaldbahn-Strecke nach St. Georgen gefahren, bis zum Bodensee fehlt da nicht mehr viel. Mit diesem Zeitvorteil - Stunden gegen Tagesreisen - waren die neuen Bahnverbindungen natürlich eine „disruptive Technologie“. Die österreichische Bahnverbindung nach Bregenz soll durch billiger produzierbares Getreide aus Ungarn den bis dahin prosperierenden Getreideexport aus Oberschwaben und dem Allgäu in die Schweiz beendet haben.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Jedenfalls ist das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen irgendwann in eine nahezu alternativlose Stellung hinsichtlich der „grauen Vorzeit“ gerutscht. Der Bodensee mit den Pfahlbauten war vielen präsent, man konnte Pfahlbauten ja auch bestens in Erinnerung behalten. Das dürfte dann auch oft so verkürzt hängen geblieben sein, daß es einmal in der grauen Vorzeit EINE Pfahlbaukultur gab und Pfahlbaudörfer damals allgemein die bevorzugte Siedlungsform waren. Richtig ist hingegen nach heutigem Stand, daß Pfahlbauten eine Reaktion auf regionale Besonderheiten waren. Als Begründung für den Pfahlbau wird derzeit auf „Wasserstandsschwankungen in Abhängigkeit vom jährlichen Wasserzufluss“ verwiesen. Und es gab nicht eine Pfahlbaukultur, sondern unterschiedliche Pfahlbaukulturen zu unterschiedlichen Zeiten.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Nach den häufigsten Fragen der Besucher des Pfahlbaumuseums sind Pfahlbauten eine Wohnform der Jungsteinzeit und Bronzezeit. Man unterscheidet bei den Pfahlbauern über einen langen Zeitraum sowohl zeitgleiche als auch nacheinander lebende Kulturgruppen. Deren aufgefundene Siedlungen streuen über ein überraschend großes Gebiet um die Alpen herum, wie man der Karte in der Broschüre „UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen in Baden-Württemberg und Bayern“ entnehmen kann. Nach dieser Broschüre sind mehr als 30 archäologische Kulturgruppen in den Pfahlbauten nachweisbar.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Die verschiedenen Kulturgruppen lieferten die Vorlagen für unterschiedliche Pfahlbaurekonstruktionen des Unteruhldinger Museums. In der Führung wird sowohl auf diese große Zeitspanne zwischen den Kulturgruppen als auch auf die verschiedenen Aspekte ihres Pfahlbauerlebens eingegangen. Die Fischfang ist klar, aber man geht auch von einer landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen am Bodensee und von einem regen Handel aus.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Obwohl Pfahlbaukulturen ein regionales Phänomen waren, sind deren Fundstätten dennoch enorm wichtig um Erkenntnisse über die damalige Zeit zu gewinnen, weil die Hinterlassenschaften der Pfahlbaukulturen verglichen mit anderen zeitgleichen Kulturen wesentlich besser und umfangreicher erhalten sind. Ich zitiere mal aus meinem Bericht von der Jungsteinzeitausstellung in Karlsruhe. Bei der stand mit der Michelsberger Kultur keine Pfahlbauerkultur im Vordergrund, man hat aber dennoch einen Ausstellungsteil mit Hinterlassenschaften der Pfahlbauer bestückt: „Wie schon oben gesagt, haben die Feuchtbodensiedlungen den Vorteil, daß mehr erhalten bleibt. Der folgende Ausstellungsteil wäre also verallgemeinernd zu sehen - so oder so ähnlich kann es auch bei den anderen Jungsteinzeitlern ausgesehen haben: ein Nachbau einer Hauswand auf Basis von am Bodensee gefundenen Lehmresten mit weißer Bemalung und Lehmbrüsten aus der älteren Pfyner Kultur zeigt, daß die Leute nicht mit kahlen Wänden gelebt haben. Mit den Funden kann man auf Bastkleidung und Flechtschuhe und Schmuck aus Bären- Eber- und Hundezähnen rückschließen. Es gibt Sichelklingen, Schaber, Messer, einen Furchenstock, Beilholme, Hacken, Steinbeile und Beispiele für die vielseitige Verwendbarkeit von Hirschgeweih und Birkenrinde zu sehen.“

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Bastkleidung, Sichelklingen und Schmuck aus Bären- Eber- und Hundezähnen ist jetzt nicht viel, aber man kann sich ein wenig eine Vorstellung von dem damaligen Leben machen. In diesem Fall durch den Blick auf zeitgleiche jungsteinzeitliche Pfahlbaukulturgruppen. Darüber hinaus hat man über zeitlich aufeinander folgenden Pfahlbauern die Möglichkeit Entwicklungen nachzuvollziehen. Wann wurde eine bestimmte Technologie zuerst eingesetzt, wann wurde aus einem bestimmten tierischen Material immer weniger Werkzeug angefertigt? In diesen Zusammenhängen muß man die enorme Schutzwürdigkeit der Fundstätten sehen. Und natürlich auch den Gehalt dessen, was man von einem Besuch des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen mitnehmen kann.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

1922 eröffnet, gab es eine lange Zeit im Nationalsozialismus. Überraschen wird vielleicht, wie sich manches bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hineingezogen hat. In einem Vortrag habe ich es mal vor ein einigen Jahren so gehört, daß sich viele Personen innerhalb der Archäologie ganz gut mit dem Nationalsozialismus arrangiert hätten. Nach dem Krieg haben diese Personen dann weiter Karriere gemacht, aber Hans Reinerth, der Leiter des Pfahlbaumuseums nach dem Krieg, sei verpönt gewesen. Und mit ihm erst auch mal die Experimentelle Archäologie. Liest man den verlinkten Wikipedia-Eintrag zu Hans Reinerth, wird das noch bizarrer: „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Reinerth Direktor des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, das lange Zeit ein sehr konservatives Bild der Vorgeschichte vermittelte. Er war einer der wenigen nationalsozialistisch belasteten Archäologen, die in der Nachkriegszeit ihre Karriere nicht fortsetzen konnten. 1949 wurde er von Kollegen, unter ihnen mehrere ehemalige SS-Mitglieder wie der ehemalige SS-Obersturmbannführer Herbert Jankuhn, später Professor für Ur- und Frühgeschichte in Göttingen, bei einer Zusammenkunft in Regensburg wegen „unsachlicher und tendenziöser Wissenschaft der Prähistorie“ in einer Resolution aus der Wissenschaftsgemeinde der Ur- und Frühgeschichtler ausgeschlossen“. Zusammen mit der Wikipedia-Vermutung über den NSDAP-Ausschluss von Reinerth im Februar 1945 („Der wirkliche Grund wird der Kompetenzstreit zwischen dem Amt Rosenberg und der SS-Organisation Ahnenerbe gewesen sein, da Reinerth zum Amt Rosenberg gehörte.“) drängt sich der Gedanke auf, daß das Amt Rosenberg und die SS-Organisation Ahnenerbe ihre Auseinandersetzung auch noch nach dem Krieg fortgesetzt hatten.

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen

Wer sich vertiefen möchte, mag auf der Website des Museums weiter herumstöbern. Hier gibt es einige interessante und frei zugreifbaren Texte des Museumdirektors Prof. Dr. Gunter Schöbel. Ich picke jetzt mal die „Geschichte aus dem Papierkorb - zu einem ungewöhnlichen Bilderfund“ mit interessanten Details über die Untersuchung des Großgrabhügel Hohmichele heraus. Über die Zusammenhänge von Hans Reinerth und der Experimentellen Archäologie mit dem „Germanengehöft“, einem Vorläufer des heutigen Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen, mag das Buch „Zurück zu unserem Cheruskerhof!“ von Sylvia Crumbach Auskunft geben. Hier der Link zu einer Besprechung des Buchs.